Nur 5 Minuten

„Das dauert doch nur 5 Minuten!“ Ist ein Satz, den mein Mann gerne bemüht, wenn ich erzähle, was die kommende Woche an zusätzlichen Pflichten ansteht. Diese nicht planbaren kleinen Dinge, die im straff durchorganisierten Alltag untergebracht werden müssen. Heute ging es um ein Schreiben, das ich unseren Mietern vorbei bringen muss. Es ist denkbar, dass das wirklich nur 5 Minuten dauert. Wenn sie zu Hause sind und ich kein Begleitschreiben mit Erklärung entwerfen muss oder vorher mit ihnen telefonieren. Wenn sie mich nicht in ein Gespräch verwickeln.

Tatsächlich ist diese eine Sache nicht das eigentliche Thema. Es sind die vielen kleinen Dinge, die im Verlauf einer Woche auftauchen und erledigt werden müssen: Das Geschenk für den anstehenden Kindergeburtstag, das in den nächsten Tagen ausgesucht werden muss, weil es sonst keine Auswahl mehr in der Geschenkekiste gibt. Das Ersetzen des verlorenen Handschuhs der Tochter, weil sie im langersehnten Schnee spielen will (Erwischt! Dieser Beitrag hängt seit Februar im Entwurf-Status), und ihr anderes Paar Handschuhe nicht wasserdicht ist.

Alles am Laufen halten

Es ist die Vielzahl dieser 5 Minuten oder halben bis ganzen Stunden, die im Alltag einer berufstätigen Frau, die sich meist auch hauptverantwortlich um den Haushalt und alle Familienangelegenheiten kümmert, Störfeuer bedeuten. Dabei ist es nicht entscheidend, ob Kinder da sind oder nicht. Wer denkt in den meisten Beziehungen an Geburtstage, verwaltet Termine, schickt das Schreiben an die Versicherung zurück, ruft den Handwerker an? Frauen fühlen sich zumeist verantwortlich. Sie wollen, dass es allen gut geht, alles läuft!

Und häufig ist es in unserer Gesellschaft leider auch so, dass alles, was nicht erledigt wurde, der Frau angelastet wird. Ist meine Schwiegermutter auf meinen Mann sauer, wenn sie kein Geburtstagsgeschenk bekommt, oder auf mich? Wen macht die Lehrerin verantwortlich, wenn das Kind ohne das verlangte Material in den Kunstunterricht kommt? Wer wird von den Freunden angemahnt, wenn es noch keine Rückmeldung für die Einladung gab?

Mein Mann würde jetzt sagen, dass mir das doch völlig egal sein kann. Das stimmt! Nur leider ist es furchtbar schwer, sich hier frei zu machen. Ja, es stört mich, wenn andere denken, ich hätte etwas verpennt, wenn das gar nicht der Fall ist. Wenn mein Mann es verpennt hat, der sich darum kümmern wollte. Oder sich nicht darum gekümmert hat, weil es ihm egal ist. Diese entspannte Einstellung, die er zu manchen Dingen hat, fehlt mir. Es gibt Menschen, die leben ganz entspannt mit 3.000 ungelesenen Emails in der Inbox, und solche, denen das Kopfzerbrechen oder im schlimmsten Fall schlaflose Nächte bereitet.

#5minuten Sanduhr

Ist Zeit-Management die Lösung?

Natürlich lernt man in jedem Zeit-Management Kurs, dass man sich in der Woche Zeitblöcke reservieren muss, um genau diese nicht vorhersehbaren Eventualitäten unterzubringen. Tatsächlich tue ich das, und kann das als Selbständige sicher viel besser als die meisten Angestellten. Ich bin auch flexibler, wenn es darum geht, bestimmte Aufgaben zu schieben, weil ich nach extern wenig Rechenschaft ablegen muss.

Dieses Gefühl, dass sich ein Berg auftürmt, entsteht nicht wirklich durch einen vollen Terminplan, sondern durch die Vielzahl an Dingen, die im Kopf bleiben müssen und Kapazität binden bis sie abgehakt werden können. Egal, welche Aufgaben ich tatsächlich auf meine To-Do-Liste schreibe, die virtuelle Liste in meinem Kopf speichert alles ab und dreht und wendet es, bis es erledigt ist.

Eine Frage der Einstellung

Eine junge ehemalige Kollegin ist das Gegenteil von mir bei diesem Thema. Sie lässt zum Beispiel ihre benutzen Teller völlig problemlos in der Küche stehen, bis keine sauberen mehr da sind und sie einfach spülen muss. Ihr Freund hält das meistens nicht aus und spült vorher. Er hat es gerne ordentlich. Sie ist der Meinung, wenn es ihn stört, dann muss er eben Abhilfe schaffen. Ein Freund von mir findet sich wiederum exakt in meinem Camp wieder. Er verlässt das Büro erst, wenn seine Inbox auf einen Screen passt ohne Scrollen. Das Phänomen ist nicht exklusiv weiblich. Es fühlt sich für mich allerdings so an, als beinhalte die Kombination besonderen Sprengstoff.

Für mich habe ich gelernt, dass mir Tipps von der entspannten Sorte Mensch nicht weiter helfen, weil sie ganz anders empfinden. „Mach dich locker“ bin ich nicht. Das weiß ich mittlerweile und versuche es nicht zu ändern. Trotzdem mache ich kleine Schritte in Richtung entspannter werden, damit mein Kopf nicht irgendwann wegfliegt 😉

Ich überlege mir bewusst, ob etwas wirklich sofort erledigt werden muss oder doch noch etwas warten kann. Mein eigener Anspruch ist nicht unbedingt der sinnvolle Maßstab. Manche Dinge müssen auch gar nicht von mir erledigt werden, und ich warte erst einmal ab, ob jemand anders sich kümmert. Wenn es mir nicht extrem wichtig ist. Ich lege meine Prioritäten sehr bewusst fest, damit ich guten Gewissens weniger wichtige Dinge absagen oder verschieben kann. Wenn ich weiß, dass es in diese Woche eben sinnvoll nicht gepasst hat, kann ich das anderen gegenüber souverän vertreten.

In welches Team gehörst du? Hast du Tipps wie du mit deinen To-Dos umgehst? Zu viele sind es ja irgendwie immer. Ich freue mich über Austausch in den Kommentaren.

Liebe Grüße

Kristina

 

 

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